Was den Alltag zusätzlich erschwert, sind Missverständnisse. Über die Krankheit, über Verhalten und über die eigenen Erwartungen. Hier sind fünf davon, die uns in der Begleitung von Familien besonders häufig begegnen:
1. „Das ist doch Absicht – er provoziert mich“
Wenn geliebte Menschen plötzlich launisch werden, Dinge vergessen oder scheinbar „bockig“ reagieren, liegt der Gedanke nahe, dass es Absicht ist. Doch Demenz greift ins Denkvermögen ein. Wer stur wirkt, ist oft überfordert. Wer ablehnt, hat vielleicht Angst. Urteilen schafft Distanz, Verstehen schafft Nähe. Auch wenn es nicht immer leicht ist.
2. „Ich muss immer erklären, wie es wirklich ist“
Viele Angehörige versuchen, Betroffene mit der Realität zu konfrontieren. Doch: Wer jeden Tag hört, dass die eigene Wahrnehmung falsch ist, fühlt sich klein. Es ist oft hilfreicher, mitzugehen, statt zu korrigieren. Nicht jeder Irrtum muss aufgeklärt werden. Manchmal zählt der Moment, nicht die Wahrheit.
3. „Wenn er mich nicht erkennt, bedeutet ihm nichts mehr“
Demenz löscht Erinnerungen, aber keine Gefühle. Auch wenn Namen oder Gesichter verblassen: das emotionale Gedächtnis bleibt lange erhalten. Vertrauen, Zuneigung, Geborgenheit…All das wird noch gespürt. Und das ist oft mehr wert als Worte.
4. „Das geht doch – gestern hat es noch funktioniert“
Demenz verläuft nicht linear. Was heute gelingt, kann morgen scheitern. Die Belastbarkeit schwankt. Es hilft, den Tag flexibel zu gestalten und Erwartungen regelmäßig anzupassen. Das beugt Frust auf beiden Seiten vor.
5. „Ich muss immer stark sein – niemand sonst kennt die Situation so gut“
Viele Angehörige glauben, sie müssten alles allein bewältigen. Doch gerade bei Demenz ist das auf Dauer kaum möglich. Entlastung ist keine Schwäche, sondern Verantwortung: sich selbst und dem Erkrankten gegenüber. Denn gute Betreuung gelingt nur, wenn auch die Pflegenden stabil bleiben.
Unterstützung, wenn es darauf ankommt
Hausengel begleitet seit 20 Jahren Familien, in denen Demenz eine Rolle spielt. Unsere Betreuungskräfte sind geschult im Umgang mit demenziell veränderten Menschen und bieten genau das, was in vielen Situationen am meisten fehlt: Verlässlichkeit, Ruhe und Präsenz. Gerade bei Demenz ist es wichtig, dass jemand kontinuierlich da ist.
Weil wir wissen, wie viel Unsicherheit die Diagnose auslösen kann, begrüßen wir Initiativen, die aufklären, informieren und Betroffene wie Angehörige zusammenbringen. Die Woche der Demenz vom 21. bis 28. September der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist eine solche Gelegenheit. Sie schafft Raum für Austausch, neue Perspektiven und das Wissen: Sie sind nicht allein. Informieren Sie sich hier über Angebote und Veranstaltungen in Ihrer Region: Zur Webseite Deutsche Alzheimer Gesellschaft.
